Hintergrund

Warum Psorisasis-Netzwerke?

Die Psoriasis vulgaris weist in Deutschland eine Prävalenz von ca. 2% und somit ca. 1,6 Mio. Betroffene auf. Ein beträchtlicher Teil der Patienten wird von Dermatologen versorgt, insbesondere die schweren Formen. Dementsprechend zählt die Psoriasis in den Hautarztpraxen und –kliniken zu den fünf häufigsten Diagnosen der vertragsärztlichen Versorgung.

Weitere Versorger sind im ambulanten Bereich die Hausärzte, gefolgt von Kinderärzten, Internisten / Rheumatologen.

Wichtige Determinanten der zukünftigen Psoriasisversorgung ergeben sich durch neue Daten der Versorgungsforschung, die eingeführten innovativen Arzneimittel, die aktuellen Erkenntnisse zur Pathogenese und Komorbidität der Psoriasis, das wachsende Qualitätsbewusstsein in der Medizin und nicht zuletzt die gesundheitsökonomischen und gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Sie erfordern eine kontinuierliche Verbesserung der Versorgung bei zugleich höherer Effizienz.

Die versorgungwissenschaftlichen Daten der letzten Jahre weisen darauf hin, dass insbesondere unter den Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis ein beträchtlicher Teil nicht nach dem neuesten Stand der Evidenz und der medizinischen Notwendigkeit versorgt wird. Im Vergleich zum notwendigen Standard, der heute wesentlich durch die Empfehlungen der AWMF-S3-Leitlinie von DDG und BVDD wiedergegeben wird, bleibt bei mindestens 50% der Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis die tatsächliche Versorgung hinter der medizinisch notwendigen zurück.

Besondere Defizite bestehen in der Systemtherapie sowie in der Diagnostik und Therapie der Psoriasis-Arthritis, die nach der jüngsten bundesweiten Studie bei 20% der Psoriasispatienten in der Hautarztpraxis vorkommt. Auch die weiteren internistisch relevanten Komorbiditäten wie das metabolische Syndrom werden bislang nicht in dem notwendigen Maße versorgt.

Für die Zukunft wird die zentrale Funktion des Faches Dermatologie in der Psoriasistherapie nur dann von Bestand sein, wenn sie eine Versorgung auf hohem Niveau unter Einsatz aller diagnostischen und therapeutischen Optionen anbieten kann. DDG und BVDD haben erkannt, dass die Qualität der Versorgung häufiger Hauterkrankungen einen wesentlichen Zukunftsfaktor für die Dermatologie insgesamt darstellt. Um diese Versorgungsqualität zu beschreiben, sind mit dem Competenzzentrum Versorgungsforschung (CVderm) wichtige strukturelle und organisatorische Voraussetzungen geschaffen worden.

Im Bereich der Psoriasis wurden in Kooperation von DDG, BVDD und CVderm wegweisende Projekte initiiert, etwa bundesweite Krankheitskostenstudien zur Psoriasis, die nationale Versorgungsstudie Pso Health zur Psoriasis und Psoriasisarthritis, die Auswertung von 1,3 Mio. GKV-Versichertendaten in der Studie PsoCare sowie das Nationale Psoriasis-Register PsoBest, welches die notwendigen Langzeitdaten zum Krankheitsverlauf und zur Psoriasistherapie liefern wird.

Mit diesen versorgungswissenschaftlichen Projekten geht eine bundesweite Vernetzung der beteiligten Praxen einher. Es ist die Absicht der DDG und des BVDD, diese Vernetzung nicht nur zur Evaluation der Versorgung, sondern auch zur Verbesserung der Versorgungsqualität bei Psoriasis und anderen Hauterkrankungen zu nutzen.

Vor diesem Hintergrund haben DDG und BVDD das CVderm und die Deutsche Dermatologische Akademie (DDA) beauftragt, die Voraussetzungen für die Initiierung regionaler Psoriasisnetze zu schaffen. Diese Netze werden dezentral eingerichtet und beruhen daher wesentlich auf den regionalen Aktivitäten. Im Interesse des langfristigen Erfolges dieser Netzwerke, einer guten Versorgungsqualität und einer einheitlichen Außendarstellung werden jedoch von DDG und BVDD Rahmenvorgaben verabschiedet.

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