„Wir haben ein gutes Paket vereinbart“

| 29. September 2016
„Wir haben ein gutes Paket vereinbart, damit sinkt die Regressgefahr deutlich“: KV Niedersachsen-Chef Mark Barjenbruch stellte den Kern der neuen Arzneimittelverordnung vor, die ab 2017 gelten soll.

„Wir haben ein gutes Paket vereinbart, damit sinkt die Regressgefahr deutlich“: KV Niedersachsen-Chef Mark Barjenbruch stellte den Kern der neuen Arzneimittelverordnung vor, die ab 2017 gelten soll.

HANNOVER – Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) und die Krankenkassen stehen kurz vor dem Abschluss einer neuen Arzneimittelvereinbarung, die ab 2017 die alte Richtgrößenprüfung ablösen wird. Das teilte der KV-Vorsitzende Mark Barjenbruch auf der BVDD-Landesverbandstagung in Hannover mit. „Wir haben ein gutes Paket vereinbart, damit sinkt die Regressgefahr deutlich“, versicherte der KV-Chef mit Blick auf den Einsatz teurer Biologika in der Psoriasisbehandlung. Gleichzeitig verriet er erste Details der Vereinbarung.

Demnach löst eine Durchschnittsprüfung bezogen auf die Fachgruppe das Richtgrößenprüfverfahren ab. Während die bisherige Richtgröße ein fester Wert war, der auf aus der Vergangenheit fortgeschriebenen Verordnungswerten beruhte, hat die Durchschnittsprüfung laut Barjenbruch den Vorteil, dass neue Medikamente, die auf den Markt kommen, den gesamten Durchschnitt der Fachgruppe zeitnah erhöhen. Jeder einzelne Arzt habe zwar weiterhin ein Budget, dieses steige aber dynamisch an im Vergleich zur alten Regelung. „Zudem liegt die neue Auffälligkeitsgrenze bei 50 Prozent“, so der KV-Chef. Früher waren es 25 Prozent. „Bereits durch diese Regelung werden sehr viel weniger überhaupt erst auffällig“, gab sich Barjenbruch zuversichtlich. Wer innerhalb des Durchschnittes liegt, könne „eine Haken dranmachen und die Sache ist gelaufen“, so der KV-Chef. Als zusätzliche Sicherung erhalten Ärzte monatliche Wasserstandsmeldungen und können falls nötig nachsteuern.

Wer die Messlatte trotzdem reißt, bei dem kommen in einem nächsten Schritt zwei unterschiedliche Quotenregelungen zum Tragen, die zu einer Befreiung von der Durchschnittsprüfung führen können. „Hier spielt nicht mehr der Preis des Arzneimittels eine Rolle, sondern die defined daily dose“, erläuterte Barjenbruch. Im Bereich der sogenannten allgemeinen Quote muss der Arzt bei den Fertigarzneimitteln einen bestimmten prozentualen Anteil an Generika verschreiben. Das Gleiche gilt für die „spezifische Quote“, bei der ein bestimmter Anteil an Biosimilars verordnet werden muss – sofern überhaupt ein Biosimilar zum Originalpräparat existiert. Werden beide Quoten erreicht – und nur dann – hat sich der Arzt für die Durchschnittsprüfung entlastet. Welche Arzneimittel quotiert und wie hoch die Quoten sein werden, wird derzeit noch mit den Kassen verhandelt.

Einwände aus den Reihen der Teilnehmer, dass man beim Einsatz hochpreisiger Biologika auf jeden Fall auch die 50-Prozentmarke reißen werde, wollte Barjenbruch nicht gelten lassen. „Es wird nicht so schlimm, wie Sie denken“, versicherte er und gab sich überzeugt, dass auch die vielfach angeführte Inhomogenität der Fachgruppe kein Problem darstelle. „Sie alle haben Psoriasispatienten“, betonte der KV-Chef, konnte damit aber diejenigen nicht überzeugen, die regelmäßig Biologika verordnen.

Category: Hannover, Regionale Netze

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