Management-Konzept erfolgreich etabliert

| 29. September 2016
Das Ärzteteam des Psoriasis-Zentrums Kiel blickt auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit zurück: (v. l.) Kaspar Torz, Dr. Kirsten Steinz, Prof. Ulrich Mrowietz, Prof. Regine Gläser, PD Dr. Sascha Gerdes - © Psoriasis-Zentrum Kiel

Das Ärzteteam des Psoriasis-Zentrums Kiel blickt auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit zurück: (v. l.) Kaspar Torz, Dr. Kirsten Steinz, Prof. Ulrich Mrowietz, Prof. Regine Gläser, PD Dr. Sascha Gerdes – © Psoriasis-Zentrum Kiel

Was 2006 klein begann, hat sich zu einem der größten Zentren seiner Art in Deutschland und Europa entwickelt: Im Psoriasis-Zentrum Kiel dreht sich alles um Patienten mit Schuppenflechte. Zum zehnjährigen Bestehen veranstaltete das Zentrum ein Symposium zum Management der Psoriasis. Die Teilnehmer aus Klinik und Praxis erlebten einen spannenden Nachmittag.

Fast 1.000 Schuppenflechte-Patienten der Kieler Universitätshautklinik sind allein im vergangenen Jahr am Psoriasis-Zentrum von einem engagierten Team aus Ärzten, Studienassistenten und Wissenschaftlern aus der Forschung versorgt worden. Mit dieser stolzen Bilanz wartete Prof. Ulrich Mrowietz, Gründer und Leiter des Kieler Psoriasis-Zentrums, in seiner Einführung auf. „Falls erforderlich werden die Patienten interdisziplinär in Kooperation mit dem Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin am Campus Kiel betreut“, erläuterte der Dermatologe. Vor allem Patienten mit Psoriasis-Arthritis und schweren Formen der Psoriasis der Haut werden regelmäßig einmal pro Woche in einer gemeinsamen medizinischen Fallkonferenz besprochen. „Diagnostisches Vorgehen und Behandlungen sind somit aufeinander abgestimmt“, betonte Mrowietz.
Darüber hinaus genießt das Psoriasis-Zentrum Kiel auch bei den Niedergelassenen einen hervorragenden Ruf, wie die BVDD-Landesvorsitzende von Schleswig-Holstein, Dr. Thyra Caroline Bandholz, hervorhob. Es sei nahezu selbstverständlich für viele niedergelassene Dermatologen, ihre Patienten dem Psoriasis-Zentrum zuzuweisen. Aufgrund der engen Zusammenarbeit sei auch die Weiterbehandlung der Patienten in den Praxen gewährleistet, so Bandholz.
Hinzu kommt das im Kieler Psoriasis-Zentrum entwickelte Konzept für das Management der Erkrankung, das bereits in den Versorgungsalltag eingeflossen ist. Es gilt als zukunftsweisend und ist in den kürzlich erschienenen globalen WHO Report zur Psoriasis integriert worden. „Darüber hinaus hat die enge Zusammenarbeit mit niedergelassenen Dermatologen auch dazu geführt, dass viele Bausteine des Kieler Management-Konzeptes bereits in den Praxen erfolgreich etabliert sind“, erläuterte Mrowietz.
Was ein Praxis-Team leisten kann, verdeutlichte BVDD-Vorstandsmitglied Dr. Ralph von Kiedrowski. „Management bedeutet Delegation“, so der in Selters im Westerwald niedergelassene Hautarzt. So können zur Entlastung des Arztes die Mitarbeiterinnen beispielsweise den Dermatology Life Quality Index-Bogen (DLQI) auswerten und den Psoriasis Area and Severity Index (PASI) bestimmen. Das Gleiche gilt für das Management der Komorbidität. Zudem empfahl er die Teilnahme am Psoriasis-Register PsoBest. Die Daten, die dort gemeldet werden, brauche man auch für sein eigenes Patientenmanagement in der Praxis.
An die budgetären Zwänge im Praxisalltag erinnerte BVDD-Präsident Dr. Klaus Strömer. Gleichzeitig ließ er aber auch die positiven Entwicklungen der letzten zehn Jahre bei der Psoriasis-Versorgung Revue passieren. Wissenschaftlich habe sich mit der S3-Leitlinie, dem Europäischen Therapiezielekonsensus, dem weltweiten Konsens zum Therapiealgorithmus und dem Aufbau von Patientenregistern sowie den Fortschritten in der Versorgungsforschung sehr viel getan – auch unter Mitwirkung des Kieler Psoriasis-Zentrums bei vielen dieser zum Teil internationalen Projekte.
Strukturell hätten die mittlerweile rund 30 Psoriasis-Netze, Praxishilfen in Form von abrufbaren Formularen, Helferinnenschulungen sowie der budgetäre Fortschritt bei Dauermedikation die Arbeit für Ärzte und damit die Versorgung der Patienten verbessert, so Strömer weiter. Auch in der Presse-und Öffentlichkeitsarbeit sei viel geschehen. Von den Aktivitäten der verschiedenen Selbsthilfegruppen über Medienkampagnen wie „Bitte Berühren“ bis zu den Aktivitäten anlässlich der Welt-Psoriasistages.
Zu den Fortschritten kann auch der Einsatz des Internets gezählt werden, wie PD Dr. Sascha Gerdes, Gründungsmitglied des Zentrums, anhand des Online Coaching Programms „www.bewegbereiter.de“ darlegte. Vor dem Hintergrund der guten Studienlage zum Zusammenhang zwischen Gewichtsintervention und Verbesserung der Psoriasis-Krankheitsschwere wurde das Programm gemeinsam vom Psoriasis-Zentrum Kiel und der Firma Janssen entwickelt und steht mittlerweile allen Schuppenflechte-Patienten kostenlos über ihren behandelnden Hautarzt zur Verfügung. Erste Daten aus einer Pilotstudie haben bereits zu ermutigenden Ergebnissen geführt, unterstrich Gerdes. Es habe sich gezeigt, dass diejenigen, die aktiv das Coaching-Programm nutzen, ihr Gewicht bereits deutlich reduzieren konnten.
Auch Dr. Kirsten Steinz vom Psoriasis-Zentrum Kiel konnte erste Ergebnisse ihrer Forschung zum Zusammenhang von Triggerfaktoren und Psoriasis vorstellen. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Wechselwirkung zwischen chronischen Tonsillitiden und Schuppenflechte. Die Hinweise auf eine Reduktion der Krankheitsschwere durch Tonsillektomie bei Erwachsenen im ersten Jahr nach Krankheitsmanifestation könnten künftig fester Bestandteil in Therapieempfehlungen von Psoriasis-Patienten werden, so Steinz. Weitere Untersuchungen zu entzündlichen Triggerfaktoren wie einer chronischen Parodontitis werden zurzeit in Kooperation mit der Klinik für Zahnerhaltung am Psoriasis Zentrum Kiel durchgeführt.

Category: Kiel, Regionale Netze

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