Prüfstellen verstehen Psoriasistherapie nicht

| 21. April 2016

PORTA-WESTFALICA – Auf eine Entspannung bei der Regress­problematik ab 2017 stimmte Dr. Peter Pierchalla bei einer Fortbildungsveranstaltung die Mitglieder des PsoNetzes Ostwestfalen-Lippe ein. Dann müssen, wie vom Gesetzgeber vorgegeben, auf regionaler Ebene die Kassenärztlichen Vereinigungen Verträge mit den Krankenkassen zur weiteren Entschärfung der Richtgrößenprüfungen schließen. Grundsätzlich werden aber die Richtgrößen bleiben. Jedoch sollen Leitsub­stanzen zukünftig als Regressschutz deutlich gestärkt werden. Für die Psoriasistherapie bedeutet das: Vor der Verordnung eines Biologikums soll ein Biosimilar eingesetzt werden. „Das Problem dabei ist“, so der BVDD-Landesvorsitzende von Westfalen-Lippe weiter, „dass bis 2019 nur Biosimilars für Infliximab und Etanercept zur Verfügung stehen werden.“

Damit bleibe ein Regress wegen Überschreitung der Arzneimittelrichtgröße für Dermatologen zunächst eine reale Bedrohung. „Praxen, die schwerpunktmäßig systemische und damit teure Medikamente verordnen, werden sehr schnell auffällig“, warnte Pierchalla. Bei einer Richtgröße von etwa 35 Euro pro Patient führe schon die Versorgung von fünf Patienten mit einem Biologikum zu einer Überschreitung der Richtgröße von rund 100.000 Euro, rechnete er vor. Zudem zeigten jüngste Prüfbescheide, dass die Prüfstellen häufig nicht verstehen, wie moderne Psoriasistherapie funktioniert. Allerdings sei ihm nicht bekannt, dass gegen einen Dermatologen in Westfalen-Lippe in den letzten Jahren wegen der Verordnung systemischer Antipsoriatika ein Regress ausgesprochen wurde. Hier laute bereits seit ein paar Jahren die Strategie: Beratung vor Regress.

Gleichzeitig forderte Pierchalla dazu auf, innovative Wirkstoffe einzusetzen. „Bisher verschreiben nur rund 30 Prozent der Dermatologen in Westfalen-Lippe Biologika“, gab der Landesvorsitzende zu bedenken. Um einen Regress zu vermeiden, sollten die einzelnen Therapieschritte sorgfältig dokumentiert sowie die Regeln der Verordnung und der indikationsgerechte Einsatz der Arzneimittel beachtet werden. Wer dennoch einen Prüfbescheid bekomme, dem riet Pierchalla, Widerspruch einzulegen, zuvor aber Kontakt mit der KV und mit ihm aufzunehmen.

Category: Ostwestfalen-Lippe, Regionale Netze

Comments are closed.

Share This