Kassen machen Rückzieher

| 21. April 2016

HILDESHEIM – Die Krankenkassen in Niedersachsen versuchen es mit allen Mitteln: befindet sich ein bereits zugelassener Wirkstoff noch in der Phase der frühen Nutzenbewertung, wird bei der Verordnung ein Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot unterstellt, auch wenn der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) noch nicht abschließend entschieden hat. Das zeigt ein Fall, der den Vorstand des Psoriasis-Netzes Süd-Niedersachsen, PD Dr. Holger Petering, viel Zeit gekostet hat: Nur zwei Wochen nach der Zulassung von Secukinumab am 1. Juli 2015 stellte der Hildesheimer Dermatologe für einen langjährigen Patienten ein Rezept mit dem neuen Wirkstoff aus – und erhielt prompt Post von der Prüfungsstelle Niedersachsen mit der Aufforderung zur Stellungnahme. Auch für die Folgerezepte sollte Petering jedes Mal Begründungen liefern. Die Krankenkasse des Patienten zweifelte die Wirtschaftlichkeit der Verordnung an, da Secukinumab zu diesem Zeitpunkt im laufenden Bewertungsverfahren in einer Stellungnahme des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) als „ohne Zusatznutzen“ etikettiert worden war. Die Entscheidung des G-BA zum Zusatznutzen stand jedoch noch aus. „Damit wurde das laufende AMNOG-Verfahren als Kriterium für Unwirtschaftlichkeit herangezogen“, so Petering. Für ihn zählte aber nur die Zulassung des Wirkstoffes. „Mit dem Verfahren zur Preisfindung habe ich als Arzt nichts zu tun“, ist er überzeugt. Der G-BA entschied schließlich, dass Secukinumab für Patienten mit einer Biologika-Vorbehandlung einen beträchtlichen Zusatznutzen aufweist, für Patienten ohne eine Biologika-Vorbehandlung immerhin noch einen geringen Zusatznutzen hat. Dies reiche aus, um das Kriterium „wirtschaftlich“ zu erfüllen. Ende Januar zog die Krankenkasse alle Prüfanträge zurück, sodass der Vorgang abgeschlossen ist.

Category: PsoNet Deutschland

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