Best practice: Deutschland setzt Maßstäbe

| 19. April 2016

Global-Report on Psoriasis

100 Millionen Menschen leiden an Psoriasis – Weltgesundheitsorganisation setzt Schuppenflechte auf die Agenda

– Gesundheitspolitik soll auf eine verbesserte Versorgung hinwirken

Im Jahr 2014 haben die Mitgliedsstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf der 67. World Health Assembly erstmals die Psoriasis als schwere, nicht ansteckende Erkrankung identifiziert und eine Resolution zu dem Thema (WHA 67.9) verabschiedet. Diese Resolution fordert multilaterale Anstrengungen für eine verbesserte Wahrnehmung, Versorgung und Entstigmatisierung dieser Multisystemerkrankung.

PsoNet_bildGleichzeitig hat die knapp gehaltene Resolution der WHO die Aufgabe auferlegt, in einem globalen Report über diese Erkrankung eingehend zur Epidemiologie, Ätiologie, Diagnostik und Therapie, Bedeutung im beruflichen Kontext, individuelle und gesellschaftliche Krankheitslasten sowie zur Entstigmatisierung Stellung zu nehmen. Darüber hinaus war der Bedarf in Bezug auf eine verbesserte Versorgung und krankheitsbezogene Forschung im Interesse der betroffenen Patienten darzulegen. Seit Februar 2016 liegt dieser „Global Report on Psoriasis” vor und ist auf der Webseite der WHO für jedermann zugänglich veröffentlicht worden. (http://apps.who.int/iris/bitstream/10665/204417/1/9789241565189_eng.pdf ). Der Report ist ein Unikum unter den gesundheitsbezogenen Aktivitäten der Weltgesundheitsorganisation, weil sich diese Reports in aller Regel nicht mit einzelnen nicht ansteckenden Erkrankungen beschäftigen, sondern mit Erkrankungskomplexen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht etc. Dass in diesem Fall eine Ausnahme gemacht wurde und einer einzelnen Erkrankung sowohl eine eigene Resolution als im Gefolge dieser nun auch eine entsprechende Kommentierung angediehen ist, unterstreicht, welche Sonderrolle die Psoriasis unter den “noncommunicable diseases” spielt. Es ist sicher erfreulich für alle betroffenen Patienten und für die sie versorgenden Ärzte, insbesondere natürlich die Dermatologen, dass dieses Krankheitsbild nun diese besondere Würdigung durch die WHO erfahren hat. Es wird uns allen Ansporn sein – nunmehr mit Unterstützung der WHO –, die in dem Report niedergelegten Desiderata in Bezug auf eine verbesserte Versorgung der Patienten, Entwicklung von Good-practice-Modellen sowie auch den Forschungsbedarf zu realisieren. Es ist vorrangig eine Aufgabe der Politik, durch die Dermatologie die Vorgaben des WHO-Global-Report im Interesse unserer Patienten umzusetzen zu lassen. Dies wird entsprechend in enger Abstimmung mit den Patientenverbänden weltweit geschehen, hier sei insbesondere der Deutsche Psoriasis Bund genannt. Der Report macht deutlich, dass die Psoriasis eine schwere, unter Umständen mit Entstellung einhergehende Erkrankung ist, die die Haut und die Nägel involviert und etwa 100 Millionen Menschen weltweit betrifft. Es gibt keine bekannte einzelne Ursache oder in jedem Fall zielführende Therapie für diese Erkrankung, die auch leider viel zu häufig assoziiert ist mit Diskriminierung und Stigmatisierung der Betroffenen. Der Report gibt hier auch Beispiele aus Patientensicht aus aller Welt, die eindringlich die hohe psychische Belastung der Erkrankten wiedergeben. Der Report stellt fest, dass ein verstärkter Einsatz, allen voran durch die Gesundheitsminister der betreffenden Länder, erforderlich ist, um eine ausreichende Versorgung für Menschen, die mit der Erkrankung leben müssen, sicherzustellen. Diskriminierung und Stigmatisierung zu vermeiden, wird in dem Report als vordringlich angesehen. Die zuständige Direktorin der Abteilung für nicht ansteckende Erkrankungen, Behinderung, Gewalt und Verletzungsprävention der WHO, Dr. Etienne Krug, stellt fest, dass der beste Weg, die Krankheitslast durch Psoriasis zu verringern, nur über frühe Diagnose und frühzeitig einsetzende Therapie zu erreichen ist. Dafür ist es auch erforderlich, Zugang zu einer finanziell erschwinglichen Basismedikation für die betroffenen Patienten weltweit zu schaffen. Die Ursache der Psoriasis bleibt unklar, obwohl es unzweifelhaft eine genetische Prädisposition gibt. Die Rolle des Immunsystems in der Verursachung der Psoriasis muss nach Ansicht der WHO den wissenschaftlichen Schwerpunkt für die Erforschung der Erkrankungsursachen und der Entwicklung neuer Therapien der nächsten Zeit darstellen. Psoriasis kann durch externe und interne Triggerfaktoren ausgelöst werden. Hierzu gehören eben auch Verletzungen, Sonnenbrand, Infektionen, Medikamente und Stress. Psoriasis ist mit einer ganzen Reihe von Begleiterkrankungen assoziiert. Zwischen 1,3 und 34,7 % der Menschen mit Psoriasis entwickeln chronische Gelenksentzündungen (Psoriasis-Arthritis) die zu mutilierender Gelenkzerstörung und Behinderung führen kann. Menschen mit Psoriasis haben bekanntermaßen auch ein erhöhtes Risiko, andere Erkrankungen wie kardiovaskuläre oder andere schwerwiegende, nicht ansteckende Gesundheitsbeeinträchtigungen zu entwickeln. Der WHO-Report identifiziert dabei eine ganze Reihe von Schlüsselaktivitäten, die unmittelbar für erforderlich gehalten werden: – Psoriasis-Patienten müssen eingeschlossen werden in universelle Systeme zur Gesundheitssicherung – Zugang zu und Erschwinglichkeit von einer Basismedikation – Verbesserung des Trainings für Beschäftigte im Gesundheitswesen, einschließlich der Allgemeinärzte, hinsichtlich der Erkrankung und ihrer besonderen Belange – die Entwicklung von international standardisierten Leitlinien für Diagnose und Therapie – Die Bestärkung von Patienten in der Gründung von Selbsthilfegruppen und aktive Unterstützung dieser – vermehrte wissenschaftliche Anstrengungen bezüglich der Psoriasis-Epidemiologie, -Ätiologie, -Assoziation mit anderen Erkrankungen und -Therapie mit dem Ziel einer grundlegenden Verbesserung der Versorgung – aktive Maßnahmen zur Verminderung von Stigma und Diskriminierung, denen sich betroffene Patienten nach wie vor ausgesetzt sehen Der globale Report der WHO hat explizit das Ziel, die Aufmerksamkeit auf die Vielfältigkeit, in der die Erkrankung das Leben der Betroffenen beeinflusst, zu lenken und damit Politikern Veranlassung zu geben, konkrete Verbesserungen im Alltag durch praktische Lösungen für die Betroffenen in allen Ländern dieser Erde zu erreichen. Genau in diesem Sinne sollten wir den Report verstehen und für eine Verbesserung der Situation Betroffener nutzen!

Der Autor dieses Beitrags, Prof. Swen M. John, Osnabrück, hat als Beauftragter der WHO maßgeblich an der Abfassung des „Global Report on Psoriasis“ mitgewirkt und die Geschäftsstelle wissenschaftlich begleitet. Er wurde dabei unterstützt von Prof. Matthias Augustin, Hamburg, Prof. Ulrich Mrowietz, Kiel, und Prof. Michael Schön, Göttingen sowie dem Deutschen Psoriasis Bund.

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Category: PsoNet Deutschland

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