Erste Erkenntnis: „Never change a winning team“

| 20. Oktober 2014

Prof. Ulrich Mrowietz im Interview

Das PSORIASIS-ZENTRUM an der Hautklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, befasst sich mit einer der häufigsten chronisch-entzündlichen Erkrankungen der Haut, der Schuppenflechte (Psoriasis). Hautärzte und Wissenschaftler beschäftigen sich intensiv mit der Erforschung der Ursachen der Schuppenflechte und bieten den betroffenen Patienten eine umfangreiche Betreuung an. Im Interview erläutert der Leiter des Zentrums Prof. Ulrich Mrowietz die aktuellen Arbeitsschwerpunkte.

Welche Projekte mit Bezug zur Versorgungsforschung bei Psoriasis sind bei Ihnen aktuell abgeschlossen oder auf der Zielgeraden?

Prof. Ulrich Mrowietz: Im Rahmen einer Promotionsarbeit wurde unser Patientenarchiv der bei uns ambulant betreuten Psoriasis-Patienten hinsichtlich des Therapieerfolgs systemischer Behandlung untersucht. Voraussetzung dabei war eine kontinuierliche Behandlung mit dem entsprechenden Medikament für mindestens zwei Jahre. Dabei sollte auch überprüft werden, ob die von uns formulierten Europäischen Therapieziele in der Praxis realistisch sind. Die Daten sind jetzt statistisch analysiert und müssen nun bewertet und diskutiert werden, das wird zum Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Können Sie schon etwas zu den Ergebnissen und neuen Erkenntnissen sagen?

Mrowietz: Wir sehen, dass Patienten, die einen Therapieerfolg hatten, tatsächlich lange auf der jeweiligen Therapie bleiben. Wir haben festgestellt, dass wir bei Patienten mit sehr schweren Formen der Psoriasis und hohem PASI eher eine Therapie mit Infliximab oder Adalimumab bevorzugt haben, mit beiden konnten wir auch sehr gute Behandlungsergebnisse erzielen. Ferner können wir feststellen, dass bis zur Woche 16 nach Therapiebeginn fast alle Medikamente ihre volle Effektivität zeigten, nur bei den Fumaraten war das bei Woche 24 der Fall, das war jedoch zu erwarten. Eine erste Erkenntnis ist ganz klar: never change a winning team! Wenn ein Patient gut auf die gewählte Therapie anspricht und diese verträgt, sollte sie solange wie nötig beibehalten werden.

Welche Projekte stehen für 2014 und 2015 neu bei Ihnen an?

Mrowietz: Wir arbeiten weiter an der Verbesserung unseres Coaching-Programmes zur Gewichtsreduktion, bei dem die Patienten an unserem Zentrum von speziell im Bereich Ernährung ausgebildeten Studienassistenten betreut werden. Wir haben festgestellt, dass ein Hinweis auf Programme am Heimatort fast nie konsequent verfolgt wird. Durch Kombination eines normalen Visitentermins in unserer Psoriasis-Sprechstunde mit der folgenden Beratung mit dem Ziel der Gewichtsreduktion hoffen wir, mehr Patienten und vor allem auch das gewünschte Ziel zu erreichen.

Wo sehen Sie neuen Forschungsbedarf? Welche wichtigen Projekte zur Versorgungsforschung der Psoriasis sollten als nächstes angepackt werden?

Mrowietz: Wichtig wären prospektive Untersuchungen zu Raucherentwöhnung und deren Auswirkung auf die Psoriasis. Wir wünschen uns auch gezielte psychologische/psychosomatische Hilfe für Patienten, die mit Wahrscheinlichkeit von einer solchen Intervention profitieren würden. Diese Patienten auszusuchen ist ein wichtiges Ziel eines solchen Programmes.

BU: Prof. Ulrich Mrowietz leitet das Psoriasis-Zen­trum der Universitäts-Hautklinik Kiel.

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Category: PsoNet Deutschland

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