Zusammenarbeit ist Trumpf bei Komorbiditäten

| 12. Oktober 2014

Bericht über die 6. Nationale Konferenz zur Versorgung der Psoriasis
von Marc Alexander Radtke und Arnd Jacobi

Zusammenarbeit ist Trumpf bei Komorbiditäten

HAMBURG – Die Umsetzung der Versorgungsziele 2010-2015 zur Psoriasisversorgung macht deutliche Fortschritte. Das ist ein Ergebnis der 6. Nationalen Konferenz zur Versorgung der Psoriasis, zu dem das CVderm auf den Campus Lehre des Universitätsklinikums Eppendorf in Hamburg eingeladen hatte.

Voll besetzt war der Seminarraum auf dem Campus des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf bei der 6. Nationalen Konferenz zur Versorgung der Psoriasis.

Voll besetzt war der Seminarraum auf dem Campus des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf bei der 6. Nationalen Konferenz zur Versorgung der Psoriasis.

Im Vordergrund der Konferenz stand die fachgruppenübergreifende Zusammenarbeit mit Allgemeinmedizinern, Pädiatern und Rheumatologen. Partner aus diesen Fachgruppen, des Deutschen Psoriasis Bundes und der Politik stellten der Delegierten aus den Psoriasisnetzen ihre Positionen und ihre Konzepte vor und berieten über weitere Schritte zum Ausbau der Kooperation in der Psoriasistherapie.

Prof. Enno Christophers, der Vorsitzende des PsoNet Förderverein e.V., hob in seinem Grußwort die Notwendigkeit der Synergien in der Zusammenarbeit der Dermatologen in der Behandlung der Psoriasis-Patienten mit den assoziierten Fachdisziplinen hervor. Dermatologen, Hausärzte, Pädiater und Rheumatologen rücken zusammen und stimmen sich immer häufiger ab wenn es um die Diagnostik von Begleiterkrankungen und die therapeutische Architektur der Psoriasis geht. Er betonte zugleich den Stellenwert der langjährigen Arbeit der Nationalen Versorgungskonferenz und die Entwicklung der regionalen Psoriasisnetze zu einem nationalen Versorgungsnetz für die Psoriasis.

Dr. Klaus Strömer (links) stellte in seinem Beitrag die Versorgungslage für Psoriatiker im europäischen Vergleich in den Fokus.

Dr. Klaus Strömer (links) stellte in seinem Beitrag die Versorgungslage für Psoriatiker im europäischen Vergleich in den Fokus.

Der Präsident des BVDD und Vorstandsmitglied der DDG, Dr. Klaus Strömer, betonte in seinem Grußwort Rang und Stellenwert der deutschen S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis vor allem auch im Hinblick auf die Versorgungslage in den europäischen Nachbarländern. Prof. Matthias Augustin vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen (IVDP) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), stellte in seinem Sachstandsbericht zur Psoriasisversorgung 2014 fest, dass der Auftrag der 5. NVK 2013 zur Entwicklung von Instrumenten zur Diagnostik und Behandlung der Komorbiditäten mit dem so genannten Komorbimeter und einem nationalen Expertenkonsensus zur frühzeitigen Erkennung von Komorbiditäten weiterentwickelt wurde. Der Konsensus steht kurz vor der Veröffentlichung,

Prof. Augustin stellte ausserdem das „Faktenheft Psoriasisversorgung in Deutschland 2014“ vor. Dieses ermöglicht es Nichtexperten, in der gesundheitspolitischen Diskussion einen fokussierten Überblick zur Versorgungssituation bei der Psoriasis zu vermitteln. Mit dem geplanten Druck von 3.000 Exemplaren soll die berufspolitische Arbeit bundesweit unterstützt werden.

Regionale Netzwerkarbeit

Im Zusammenspiel: PD Dr. Marc Radtke half den Referenten beim Einspielen ihrer Präsentation.

Als weiterer Schritt zur Quervernetzung aller regionalen PsoNet-Netzwerke wurde die Erstausgabe des PsoNet Magazins vorgestellt. Das Magazin stellt die mediale Plattform für die Netzwerkarbeit der regionalen Psoriasisnetze im PsoNet dar. Auch als Projektbörse soll das PsoNet-Magazin zunächst zweimal jährlich erscheinen. Die Ausgaben werden an alle registrierten PsoNet-Mitglieder versendet.

Die Kooperation zwischen Dermatologen und Rheumatologen sowie die damit verbundenen Hürden und bisher erreichten Fortschritte in der gemeinsamen Versorgung skizzierten Prof. Diamant Thaci vom Exzellenzzentrum Entzündungsmedizin – Campus Lübeck) und Dr. Frank Behrens von der Abteilung Rheumatologie, Medizinische Klinik II am Universitätsklinikum Frankfurt/Main. Sie stellten vor allem ihre strukturierte interdisziplinäre Zusammenarbeit heraus. Beide systematisierten ihre Kooperation, nachdem sie festgestellt hatten, dass bis zu 12 % der Psoriasispatienten in ihrer Praxis eine Psoriasis-Arthritis (PsA) aufwiesen.

Zwar ist die Frühdiagnose der PsA entscheidend, doch der Zeitpunkt, an dem die Diagnose erhoben und letztendlich die Therapie der PsA begonnen wird, unterliegt weiterhin einer großen Variationsbreite, wie beide übereinstimmend feststellten. Der klinischen Entscheidung des Arztes und einer eingehenden Untersuchung kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu.

Systematische Kooperation mit Rheumatologen

In der anschließenden Plenarrunde diskutierte das Auditorium intensiv die systematische Kooperation von Dermatologen und Rheumatologen: Häufig komme es erst nach Manifestation des Psoriasis-Krankheitsbildes zu Gelenkbeschwerden, hieß es. Deshalb komme dem Dermatologen hier eine wichtige Schlüsselposition zu, indem er den Gelenkbeschwerden rechtzeitig die notwendige Bedeutung beimisst und mit dem Rheumatologen zeitnah zusammenarbeitet. Die Dermatologen hätten eine entscheidende Funktion als Weichensteller, um den Rheumatologen genau jene Patienten zuzuführen, bei denen eine Abklärung der PsA geboten ist. Bildgebende Diagnostik habe dabei einen wichtigen Stellenwert, könne aber nicht die klinisch rheumatologische Untersuchung ersetzen.

In der Diskussion stand auch der Nutzen von Fragebögen, welche vor Überweisung des Patienten zum Rheumatologen durch den Dermatologen ausgefüllt werden sollen. Als Vorschlag zum Vorgehen wurde diskutiert, neben dem Fragebogen mittels einer Terminstaffelung im Sinne einer Triage eine Selektion von 80 % der Anfragen zu erreichen. Im Resultat gelte es, die Systematik der Zusammenarbeit und Vorselektion gemeinsam weiterzuentwickeln und Vertrauen zu den regionalen Rheumatologen aufzubauen. Aus der Diskussion wurde auf Vorschlag von Prof. Dr. Augustin eine Arbeitsgruppe für die Standard-Entwicklung eines Fragebogens zur Früherkennung der PsA einberufen.

Kooperation mit Hausärzten

Mit seiner Stellungnahme sprach sich Prof. Martin Scherer, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin des UKE Hamburg-Eppendorf, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin dafür aus, die Hausärzte in die Psoriasisbehandlung miteinzubeziehen und warb um Verständnis dafür, dass die fachliche Vielfältigkeit der Allgemeinmedizin mit einem Anteil von lediglich zwei Prozent der Beratungsanlässe aufgrund dermatologischer Symptome eine Konzentration auf das Thema Psoriasis erschwere. Scherer schlug vor, in Kontakt zu Universitäten mit einem Lehrstuhl für Allgemeinmedizin zu treten und mit diesen zu kooperieren. Außerdem sollten regionale Qualitätszirkel und Tage der Allgemeinmedizin genutzt werden, um hier in kurzer Form dermatologische Themen zu bündeln. Dies sei erfolgreicher als nur ein einzelnes Thema wie z.B. Psoriasis zu positionieren. Er bot weiterhin an, Informationen zur Psoriasistherapie an Allgemeinärzte über den DEGAM-Newsletter zu vermitteln. Auf diesem Weg könnten rund 5.000 von insgesamt 55.000 Hausärzten in Deutschland erreicht werden.

PsoHealth3

Dr. Jacobi vom IVDP des UKE aus Hamburg berichtete über die aktuellen Ergebnisse der dritten bundesweiten Versorgungsstudie „PsoHealth3“. Im Vergleich zu den Versorgungsstudien „PsoHealth1“ (2005) und „PsoHealth2“ (2007) wurde eine bessere dermatologische Versorgung der Psoriasispatienten festgestellt. Dies läßt sich anhand der Qualitätsindikatoren abbilden. So nahm z. B. der mittlere Schweregrad der Psoriasis (PASI) ab, bei gleichzeitiger Zunahme des Anteils von Patienten mit vorausgegangener Systemtherapie. Allerdings besteht gemessen an den nationalen Versorgungszielen weiterer Handlungsbedarf, um die noch bestehenden Defizite in der Versorgung der Patienten zu beheben.

Berichte aus den Netzwerken

Keine Pause in der Pause, auch da noch ging der Gedankenaustausch munter weiter. Zudem Gelegenheit, neue „Netzwerker“ kennenzulernen.

Keine Pause in der Pause, auch da noch ging der Gedankenaustausch munter weiter. Zudem Gelegenheit, neue „Netzwerker“ kennenzulernen.

PD Dr. Andreas Körber von der Universitäts-Hautklinik Essen wies bei seiner Vorstellung der Netzwerkarbeit des PsoNet Ruhr darauf hin, dass es ein wichtiges Anliegen der Mitglieder sei, in ihrer täglichen Praxisarbeit unterstützt zu werden. Deshalb habe man einen Therapie-Algorithmus – topische Therapie – konventionelle Systemtherapie – Biologica – entwickelt. Als Ziele für 2014 wolle man die bessere Kooperation mit Hausärzten und Rheumatologen sowie eine gezielte Patientensteuerung aus der Klinik zu den niedergelassenen Psoriasisexperten erreichen. Eine Hürde sei hierbei insbesondere die oft noch unzureichende Überweisung zum Hautarzt. Weiterhin bietet ein Großteil der behandelnden Dermatologen Systemtherapien nur sehr restriktiv an.

In seinem Bericht zur Arbeit des Psoriasisnetzes Südwest stellte Dr. Dirk Maaßen aus Maxdorf den vom Psoriasis Praxisnetz Südwest e. V. selbst entwickelten Überweisungsbogen für zuweisende Ärzte vor. Besonderes Augenmerk wurde hierbei auf die Berücksichtigung der Informationspflicht nach § 630 BGB zur Aufklärung und Einwilligung der Patienten gelegt. Er bot an, dass dieser Überweisungsbogen zur weiteren Nutzung in regionalen PsoNet-Netzwerken genutzt und per E-Mail bei ihm abgerufen werden könne (dirk.maassen@aol.com). Ein Ergebnis der bisherigen Netzwerkarbeit im Psoriasisnetz Südwest sei die Ermittlung des Bedarfs an Tools, sowie die Entwicklung und Nutzung dieser Hilfsmittel für die Unterstützung im Praxisalltag. Zufrieden zeigte sich Maaßen mit der Mitgliederentwicklung.

Diskutiert wurden in der anschließenden Plenardebatte Möglichkeiten, Einzelfallprüfungen abzuwehren. Wichtig sei es, regional übergreifend Informationen zu den unterschiedlichen Erfolgswegen zu sammeln. In Kiel diskutiere man strittige Fälle (Off label use) in Fallkonferenzen, wie Prof. Ulrich Mrowietz von der Universitäts-Hautklinik in Kiel berichtete. Ein entsprechendes Protokoll zeige dann auch oftmals Erfolg bei der Prüfkommission. Andere Fälle sollten aus berufspolitischen Gründen eigenständig entschieden werden. Doch allein der Prüfgrund führe bei vielen niedergelassenen Ärzten zum Rückzug aus der Systemtherapie.

Detlef Kunz vom Deutschen Psoriasis Bund (DPB) schlug in diesem Zusammenhang vor, über Regressfälle in der Öffentlichkeit zu berichten und so den positiven Entscheidungsdruck zu verstärken.

Selektivverträge und Gespräche mit Krankenkassen

Dr. Ralph von Kiedrowski berichtete von schwierigen Gesprächen mit einzelnen Krankenkassen einen Versorgungsvertrag zu verhandeln

Dr. Ralph von Kiedrowski berichtete von schwierigen Gesprächen mit einzelnen Krankenkassen einen Versorgungsvertrag zu verhandeln

In seinem Vortrag gab Dr. Ralph von Kiedrowski aus Selters einen Einblick in die aktuelle Entwicklung der Diskussion mit gesetzlichen Krankenkassen zur selektivvertraglichen Unterstützung der leitliniengerechten Psoriasistherapie. Folgende Punkte sind dabei besonders erwähnenswert:

  • scheinbar kein ausreichendes Interesse der Kassen an der leitliniengerechten Versorgung von Psoriasispatienten in Rheinland-Pfalz
  • AOK Nordrhein: Es seien keine Einsparungen in Krankenhaus- und Rehabilitationsbereich zu erwarten und es gäbe deshalb trotz intensiver Gespräche kein Vertragsinteresse.
  • AOK Hessen: scheinbar kein Bedarf an einer weiteren Versorgungsverbesserung

Nach einigen Gesprächssrunden mit aufeinander aufbauenden Argumentationsthemen, wie Versorgungsdefiziten, Krankheitsschwere der Psoriasis, Morbi-RSA, Right-Coding bei Komorbiditäten und Einhaltung von Behandlungspfaden scheitere man zur Zeit noch an der Vorlagepflicht von Verträgen der Krankenkassen beim Bundesversicherungsamt (BVA).

Für weitere Verhandlungen sei es nötig, mit den Krankenkassen wirtschaftliche Ziele zu definieren, Dokumentationstools zur Evaluation der Behandlung zu etablieren und kurzfristige Erfolge in einem ein- bis dreijährigen Zeitraum anzustreben. Erfolgversprechend erscheinen ergebnisorientierte Versorgungsverträge zur Verbesserung der Versorgung in Form von nachvollziehbaren Businesscases, aber auch Rabattverträge. Trotzdem gäbe es Vorbehalte wegen eines möglichen Imageproblems als sogenannte „Psoriasis-Kasse“.

Diskutiert wurde dann die Alternative eines Disease Management Programm (DMP)-Antrags. Der vorliegende Fragenkatalog des Gemeinsamen Bundesauschusses (G-BA) verlange eine strukturierte Behandlung. Ralf Blumenthal von der Pressestelle des BVDD berichtete, dass seitens des G-BA ein definiertes Krankheitsbild und ein differenzierter Therapieansatz erwartet werde, der über die übliche „Kassenversorgung“ hinausgehe.

Deutscher Psoriasis Bund

Hans-Detlev Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Psoriasis Bundes, gemeinsam mit Prof. Matthias Augustin

Hans-Detlev Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Psoriasis Bundes, gemeinsam mit Prof. Matthias Augustin

Hans-Detlev Kunz vom Deutschen Psoriasis Bund forderte dazu auf, die falschen Erwartungen an eine Substitutionsliste für Biologika politisch auszuräumen. Er bat um die Entwicklung von Leitlinien für Phenotypen. Außerdem wies er auf die zu verbessernde Mitarbeit von Ärzten im Deutschen Psoriasis Bund hin und bot das Abonnement des Pso-Magazins als Informationsmedium des Verbandes für Ärzte und Patienten an.

Leitlinien und Standards bei Psoriasis

Prof. Ulrich Mrowietz aus Kiel berichtete über die Leitlinienentwicklung. Im Herbst sei eine neue europäische Leitlinie zur Therapie der Psoriasis zu erwarten. Leitlinien für Sonderformen der Schuppenflechte bezeich­nete er als problematisch, da ein feh­lender fachlicher Konsens und der große Aufwand eine Erstellung oftmals verhindern. Ein Bericht zum Europäischen Whitepaper wird im PsoNet Magazin erscheinen.
Dr. Maaßen sprach sich für die Entwicklung eines DDA-Zertifikats zur Psoriasis aus. Dies wäre ein Qualitäts-Zertifikat zum Psoriasis-Management. Ein Konzept zu einer solchen zusätzlichen Qualifikation sollte sinnvollerweise mit einem 16 CME-Curriculum (erreichbar in 16 Stunden) und weiteren 24 CME-Punkten in drei Jahren bewertet werden. Dies müsse dann alle fünf Jahre mit wiederum 40 CME-Punkten fortgeschrieben werden, um die Aktualität der Expertise nachzuweisen, empfahl Maaßen. In der Diskussion wurde vereinbart, dass er gemeinsam mit Prof. Augustin ein Konzept erarbeiten und Kontakt zum wissenschaftlichen Beirat der DDA aufnehmen soll.

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Category: PsoNet Deutschland

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